Unser erster Great Walk

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Tag 12 | Tongariro Alpine Crossing

In Neuseeland gibt es 12 “Great Walks”. Das sind meist Mehrtages-Wanderungen die in wunderschönen, aber auch schützenswerten Gebieten gelegen sind. Verwaltet werden diese Wanderwege vom DOC dem Department of Conservation. Oft sind die Besucherzahlen pro Tag limitiert wie z.B. 40 Besucher pro Tag auf dem Milford-Track. Den Milford-Track zu gehen ist Thorsten’s Traum. Allerdings musste er ihn für diese Fahrt nach Neuseeland begraben. Inzwischen ist er mindestens 6 Monate im Voraus ausgebucht.  Zumindest ist das Christinas Ansicht. Thorsten hat den Milford-Track noch nicht vollkommen abgeschrieben und schaut sich fast täglich nach Möglichkeiten um ihn doch noch zu bewandern.

Der  Tongariro Alpine Crossing ist dahingehend nicht limitiert. Es ist eine Tageswanderung und in den Sommermonaten strömen teilweise über 700 Besucher am Tag über den beliebten Mont Tongariro (1967 m). Er soll die beliebteste Tageswanderung von Neuseeland sein. (Was bei den Besucherzahlen kein Wunder ist.) Der Track ist ganze 24 Km inkl. Mount Tongariro lang und man muss ca. 1000 Meter hoch und 1217 Meter wieder runter. Der Track geht auch am Ngauruhoe (2291), dem Schicksalsberg von Herr der Ringe vorbei. Im 20. Jahrhundert ist er ganze 45 Mal ausgebrochen. Das letzte Mal im Jahr 1975. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane. Diesen hätten wir extrem gerne bestiegen. Aber aufgrund der schlechten Wetterlage hat uns unser Transportveranstalter dringlich davon abgeraten auf ihn zu kraxeln. Da wir nicht unser Leben riskieren wollten haben wir es dann auch nicht getan.

So, aber nun zu unseren Erfahrungen auf dem Tongariro Alpine Crossing. Um 4.50 Uhr am Morgen klingelte der Wecker. Gegen 5.30 sind wir zum Parkplatz am Ende des Tracks gefahren. Von dort haben wir einen Shuttle zum Anfang der Wanderung gebucht. Unser Shuttelbus ging um 6.30. Wir haben uns dem Parkplatz am Vorabend extra nochmals angeschaut um rechtzeitig am richtigen Ort zu sein. Auch unsere Zeit haben wir so eingeplant, dass wir pünktlich zur Abfahrt unseres Shuttles bereit stehen. Als wir um 6.25 das kleine Büro ansteuerten in dem wir die Parkgebühr bezahlen mussten bekamen wir dort gesagt dass unser Bus 700 Meter weiter die Straße hoch abfährt. Man kann dorthin zwar fahren, aber der Parkplatz ist sehr klein und sie könnte uns nicht versprechen dass wir dort noch einen Parkplatz bekommen. Ist das jetzt wahr, was wir da hörten? Aber was sollten wir tun? Zum vielen überlegen und debattieren hatten wir keine Zeit. Also, was macht ein gewissenhafter Deutscher in diesem Moment? Er bezahlt brav die Parkgebühr von 10 NZD, nimmt die Beine in die Hand und rennt um sein Leben die ganzen 700 Meter zur Bushaltestelle. Natürlich konnten wir das pünktlich nicht mehr schaffen. Glücklicherweise musste der Bus an uns vorbei. Ca. 100 Meter vor dem Ziel kam er uns auch schon entgegen. Wir hielten ihn an uns er ließ uns mitfahren. Schon jetzt völlig fertig durch diesen Sprint am frühen Morgen stiegen wir in unseren Bus, der uns an den Startpunkt unserer Wanderung brachte.

Ca. 30 Minuten später erreichten wir unseren Ausgangspunkt. Voll motiviert ging es los. Die ersten Kilometer waren flach und wir liefen unter anderem über extra gebaute Stege. Dann folgte der Anstieg von insgesamt 817 Höhenmetern auf dem Tongariro Mountain. Über einige Treppen und Geröllabschnitte erreichten wir das erste Plateau. Mensch ist das anstrengend. Am Anfang ist uns noch aufgefallen, dass alle möglichen Leute ziemlich schnell an dir vorbeiziehen, als wollten sie einen Marathon gewinnen. Wir hingegen versuchten unseren normalen ruhigen Schritt zu gehen und die Landschaft zu genießen. Leider war dies aufgrund der vielen anderen Wanderer kaum möglich. Die Landschaft wird auf der einen Seite als karge Mondlandschaft beschrieben, wir wussten aber nicht, dass Mondlandschaft so beeindruckend toll und abwechslungsreich sein kann. Nach dem ersten Plateau dem “South Grater” ging es dann steiler hoch zum “Red Grater”. In diesem Bereich war der Nebel so stark, dass wir kaum unseren Vordermann sahen. (Unsere Wanderstöcke haben wir besonders in diesem Abschnitt schmerzlich vermisst. Aber wir bekamen sie einfach nicht in den Koffer und im Handgepäck durften sie nicht mit.)

Oben angekommen! Wow. Was für eine Aussicht. Nach dem extrem anstrengenden Aufstieg und dem anziehen der 3. Jacke, wird man mit einem grandiosen Blick auf den “Red Grater”, sowie dem “Blue See” belohnt. Auf der Südseite war der Nebel plötzlich wie weggeblasen! Dort oben haben wir uns den “Red Grater” etwas genauer angesehen, bevor wir den Abstieg zum “Blue See” gewagt haben. Beim Abstieg haben wir uns gefühlt, als würden wir im Tiefschnee laufen. Ganz feiner Kiessand fing unsere Tritte sanft ab. Am Ende des Abstiegs folgte ein flaches Stück bei dem wir uns wie in der Wüste von Nevada fühlten (zumindest was die Landschaft betraf). Nach dem Flachstück ging es noch einmal Bergauf, bevor der sanfte aber sehr lange Abstieg begann. Die letzten beiden Stunden waren wirklich zäh. Christina hatte wohl durch falsches tragen vom Rucksack heftige Rückenschmerzen, so dass Thorsten für einige Kilometer den Packesel spielte und beide Rucksäcke trug. Ziemlich müde kamen wir dann nach 7,5 Stunden am Camper an.

Die Tour ist wirklich ein Erlebnis. Etwas gewöhnungsbedürftig  sind die Menschenmaßen die ständig um einen herum sind. Es gab während der kompletten Wanderung keine Sekunde in der wir alleine gegangen sind. So hatten wir nicht wirklich die Möglichkeit die Natur und das Wandern selbst zu genießen. Trotzdem eine wunderschöner und sehr beeindruckende Wanderung die wir nur wärmstens empfehlen können. Wie oft hat man auch die Möglichkeit über einen aktiven Vulkan zu wandern!

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Auf zur windigen Stadt

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